Liebe Thomasgemeinde!

Liebe Thomasgemeinde!

„Und eines Morgens riecht´s nach Urlaub“ – So heißt ein Lesebuch für die freien Stunden und Tage des Jahres. Ein Freund hat es mir geschenkt. Der Titel spricht mich an in diesen Tagen. – Es ist Montag-morgen und ich habe noch keinen Urlaub. Alle, die diese Zeilen jetzt lesen, Sie können von Urlaub vielleicht auch gerade nur träumen. Oder gehören Sie zu den Daheimgebliebenen, machen es sich in „Balkonien“ gemütlich?

Wie auch immer: „Eines Morgens riecht´s nach Urlaub.“ – Vielleicht ist es der Duft einer guten Tasse Kaffee, die Sie dann auch genießen. Vielleicht ist es Ihre Lieblingsmelodie aus dem Radio, die Sie mitsummen. Vielleicht schließen Sie für ein paar Sekunden nur die Augen und denken an einen lieben Menschen oder einen Platz, wo Sie jetzt gerne wären. – Sie gönnen sich eine Unterbrechung im Alltag, atmen mal tief durch. Ach ja! Nur für ein paar Augenblicke steigen Sie aus dem Hamsterlaufrad Ihrer Verpflichtungen aus. So viel Zeit muss sein!

Mein Freund hat vorne in das Buch ein paar Zeilen hineingeschrieben. Die möchte ich Ihnen weitergeben. Vielleicht wird daraus ja ein Urlaubsduft in dieser Woche:

„Pflücke den Tag und gehe behutsam mit ihm um. Es ist Dein Tag, 24 Stunden lang – Zeit genug, ihn zu einem wertvollen Tag werden zu lassen. Darum lass ihn nicht in den Morgenstunden verwelken. Danke Gott für diesen Tag.“

Pfr. Jürgen Floß, Seelsorger am Uniklinikum

Liebe Grombühler!

Die Szene ist einfach köstlich, obwohl es um ein ernstes Thema geht.

„Der Brandner Kaspar und das ewige Leben“- kennen Sie die Geschichte? Zum alten Brandner Kaspar kommt der Tod, kultig dargestellt als Boandlkramer. Eigentlich soll er den Brandner einfach abholen, um ihn zu Petrus und in die Ewigkeit zu führen. Aber der Brandner ist renitent: Er will nicht mit!

Zumindest jetzt noch nicht! Und deshalb legt er sich ins Zeug und fängt im Gespräch mit dem Tod heftig zu Argumentieren an. „Nein, jetzt, wo es grad in meinem Leben wieder aufwärts geht, kann doch nicht alles zu Ende sein,… im darauffolgenden Winter geht es aber auch nicht, denn da ist es zum Sterben schlichtweg zu kalt, Punktum!“ ..“und im Frühling, wenn wieder alles neu anfängt, soll ich aufhören? Naaa!“

Brandner redet sich heiß in dieser Schlüsselszene.

Was mir an ihr so gefällt? Den Brandner freut sein Leben, – trotz allem! Ja, er ist schon ein alter Mann, und Zipperlein hat er auch genug, und ja, das Leben hat es nicht immer gut mit ihm gemeint, denn von vielen seiner Lieben hat er sich bereits verabschieden müssen, von manchen viel zu früh!-… und trotzdem: Er lebt und strahlt eine „unbandige“ Lebenslust aus. In seinen Augen ist das Leben bisher wie ein erfrischender rauschender Gebirgsbach gewesen und so soll es bleiben.

Jede der vier Jahreszeiten liegt ihm am Herzen, alle will er auskosten, miterleben, mit dabei sein… er hat noch einiges vor ….

Und wir?

Bald kommt der Sommer. Dann ist es an der Zeit, Sonnenuntergänge zu bestaunen, Badeweiher zu erkunden, Sommersprossen zu züchten, sich einfach– so wie Brandner – seines Lebens zu freuen, Pläne zu schmieden und es auf viele Weisen auszukosten.

Ich bin überzeugt, Gott freut sich, wenn wir unser Leben genießen wie einen erfrischenden Gebirgsbach!

Für alles andere ist später noch Zeit! Jetzt ist erstmal Lebensfreude angesagt. Punktum!

 

Schöne Sommermonate wünscht Ihnen                          Ihre Pfarrerin Karin Jordak

Was ist ihr liebstes Fest im Laufe des Kirchenjahres?

Frage ich Kinder, so erhalte ich fast immer die Antwort: Weihnachten. Die vielen Bräuche um das Kind in der Krippe sprechen sie besonders an.

Bei mir war es auch so. Früher, in meiner Kindheit, war mir Weihnachten der Höhepunkt des Jahres. Und es war ein echtes Aha-Erlebnis, sich später klar zu machen: Das älteste Fest der Christenheit ist das beileibe nicht. Vielmehr ist Ostern das älteste Fest der Christenheit!1

„Wäre Jesus nicht auferstanden… so wäre unser Glaube nichtig“, so schreibt es Paulus. Wäre Jesus nicht auferstanden, die Freunde von Jesus wären wohl in Depression, zumindest in Lethargie versunken geblieben, so stelle ich mir das vor.

Die umwälzende Erkenntnis: Jesus ist nicht tot, er ist lebendig und spielt in unserem Leben immer wieder eine wichtige Rolle, dies erst hat viele Steine ins Rollen gebracht und schließlich die Christenheit weltweit sich ausbreiten lassen.

Ostern hat Power. Es sagt: Nichts muss bleiben wie es war. Veränderungen sind möglich, das Leben siegt – nicht der Tod!!

Inzwischen, und das schon viele Jahre, ist Ostern mir das liebste aller Feste im Kirchenjahr. Ich möchte es feiern und zelebrieren. Mit den vielen Bräuchen, die sich darum ranken und ihre Bedeutung haben: Passionsandachten und Kreuzweg, Abschiedsmahl am Gründonnerstag, Kahlheit und Erschrecken am Karfreitag und dann die Auferstehung feiern mitten in der Nacht – am Ostersonntag um halb sechs – aus der Dunkelheit ins strahlende Licht der Auferstehungssonne kommen.

Und spüren: Auch für mein Leben hat Gott diese Bewegung vorgesehen. Es wird aus der Erstarrung in die Bewegung, aus der Dunkelheit ins Licht, aus Kälte in die Sonne und aus dem Tod ins Leben gehen.

Was für ein Fest: Das Leben siegt, und wir wollen es feiern.

Herzliche Einladung dazu!

Karin Jordak

„Die Schokolade aus dem Adventskalender ist die beste.“

Das sagt ein Schüler der 13. Klasse. Ich muss lachen. Adventskalender für einen Neunzehnjährigen! Ich frage nach: Ja, fast alle haben einen oder gleich mehrere. Nicht nur 1kleine Kinder bestehen auf ihren Adventskalender. Der gehört einfach dazu. Sonst ist nicht Advent.

Dieses Ritual hat was. Türen öffnen, eine nach der anderen; und sich freuen auf das, was kommt. Das passt zum Advent. Warten. Advent heißt ja eigentlich „Ankunft“. Dabei war die Adventszeit früher eine Fastenzeit. Zwar ging es schon im Mittelalter darum, sich auf die Feier der Geburt Christi vorzubereiten. Man zählte die Tage bis zum großen Fest. Aber vorgestellt hat man sich diese Ankunft gewaltig und angsteinflößend, wie einen apokalyptischen Weltuntergang. Deshalb haben sich die Buß- und Fastenrituale in der Adventszeit ausgeprägt. Das hat sich aber nicht durchgehalten. Gott sei Dank! Seit 1917 wird niemandem mehr ein Adventsfasten abverlangt.  Und um 1920 herum gab es die ersten süßen Adventskalender mit Schokolade drin. Ich weiß zwar nicht, ob es da einen Zusammenhang gibt. Aber ich bin froh, dass wir die Ankunft Gottes nicht fürchten müssen, sondern voller Hoffnung erwarten können. Weiterlesen

Liebe Gemeinde,

1ich hatte es ja schon in einem der letzten Gemeindebriefe angekündigt: „Lass Dich einladen!“ – unter diesem Titel will ich mit Ihnen am 3. Oktober ein Experiment wagen. Ein lebendiges Gleichnis zum Mitmachen und Mitfeiern!

Jesus hat mit den unterschiedlichsten Menschen gefeiert. Die Botschaft war: Wer mit mir am Tisch Platz nimmt, bekommt einen Vorgeschmack auf das Heil und die überschwängliche Freude, die Gott für uns bereit hält. Die ersten Christinnen und Christen haben diese Tradition, gemeinsam zu Essen und das Essen zu teilen, bei ihren Gottesdiensten weiter gepflegt. Pfarrerin Karin Jordak und ich haben uns gedacht: Warum versuchen wir das nicht auch einmal bei uns?

Deshalb lade ich Sie in diesem Gemeindebrief noch einmal ganz herzlich ein: Lassen Sie uns mit dieser besonderen Aktion Gottes Einladung für die Menschen im Stadtteil sichtbar machen! Lassen Sie uns gemeinsam erleben, was auch der Dichter des 23. Psalms erfahren konnte: Du schenkst mir voll ein! Ja, lassen Sie uns im Herzen Grombühls zeigen, dass wir von der Thomaskirche eine lebendige und einladende Gemeinde sind! Weiterlesen

Wie können wir uns das Königreich Gottes vorstellen?

Wer an das Leben an einem Königshof in früheren Zeiten denkt, stellt sich wahrscheinlich auch prachtvolle Feste mit geladenen Gästen vor. All die einfachen Menschen, die mit ihren Steuern und Zwangsabgaben die rauschenden Feste am Hof ja auch finanziert haben, waren nicht eingeladen. Der König feierte mit seinem Hofstaat, den hohen Beamten und Mitgliedern der Adelsschicht. Wer zu so einem Fest eingeladen wurde, der hatte es wirklich geschafft! Die meisten Menschen konnten davon – wie Aschenputtel im Märchen – nur träumen …

Jesus kannte diese Träume der einfachen Menschen. Er kannte auch ihre Begeisterung für Festtage, die den mühsamen Alltag unterbrechen. Ein „Fresser und Weinsäufer“, wie seine Feinde spotteten, 1war er wohl nicht. Aber das Essen und Trinken, das gemeinsame Feiern spielt bei den Wundern, die die Bibel von ihm überliefert, eine wichtige Rolle: Die Speisung der 5000, das Weinwunder auf der Hochzeit in Kana … Wenn Jesus uns schmackhaft machen will, was im Reich Gottes auf uns wartet, dann wählt er in seinen Gleichnissen das Bild einer festlich gedeckten Tafel, an der wir mit ihm Platz nehmen dürfen. Weiterlesen

Jedem Besucher unserer Thomaskirche fällt sie sofort auf…

 …1die Kugel über dem viereckigen Altartisch: sie regt zur Betrachtung, aber auch zu Fragen an – was bedeutet sie?

Der Nürnberger Künstler Heinz Heiber hat sie 1974 für unsere neue Kirche geschaffen und mit der runden Form aus Metall einen bewussten Gegensatz zu dem rechteckigen Kirchenraum – Sichtmauerwerk und Holzbalken – und zum viereckigen Altartisch aus Holz geschaffen, dabei aber die runden Formen des Fußbodens, nach dem sich die Stuhlreihen richten, sowie die Rundungen von Ambo und Taufstein aufgenommen. Ein flüchtiger Blick mag die über dem Altar schwebende Kugel vielleicht für eine Lampe halten, wenn da nicht unser Auge in der hängenden Halbkugel fünf vieleckige, unterschiedlich lange und dicke Stelen nach unten herausragen sähe. Der Kreis, die Kugel, das Runde sind Zeichen göttlicher Vollkommenheit – des Ewigen und Endlosen, das Eckige eher das Symbol des Unvollkommenen, Zerbrochenen: Die Halbkugel mag die Göttliche Herrschaft über unsere un-heile, und zerbrochene Erde bedeuten, sie könnte aber auch als eine nach unten geöffnete Hand verstanden werden, die sich behutsam und schützend über unsere Erde legt. Möglicherweise sieht mancher in dem Kunstwerk auch eine Hand mit fünf Fingern – die gebende Hand Christi und somit die Gegenwart Gottes, wenn auf dem Altartisch das gemeinsame Abendmahl gefeiert wird. Weiterlesen

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Lassen Sie sich einladen, eine nicht sehr bekannte Geschichte zu lesen.

Ihr Titelheld ist Mose:

»Mose hörte die Leute weinen, eine Sippe wie die andere; jeder weinte am Eingang seines Zeltes. Mose war verstimmt und sagte zum Herrn: Warum hast du deinen Knecht Mose so schlecht behandelt, und warum habe ich nicht deine Gnade gefunden, dass du mir die Last mit diesem ganzen Volk auferlegst? Woher soll ich für dieses ganze Volk Fleisch nehmen? Sie weinen vor mir und sagen zu mir: Gib uns Fleisch zu essen! Ich kann dieses ganze Volk nicht allein tragen, es ist mir zu schwer. Wenn du mich so behandelst, dann bring mich lieber gleich um,… Ich will mein Elend nicht mehr ansehen.   Da sprach der Herr zu Mose: Versammle siebzig von den Ältesten Israels vor mir, Männer, die du als Älteste des Volkes kennst! Dort sollen sie sich mit dir zusammen aufstellen. Dann komme ich herab und rede dort mit dir. Ich nehme etwas von dem Geist, der auf dir ruht, und lege ihn auf sie. So können sie mit dir zusammen an der Last des Volkes tragen, und du musst sie nicht mehr allein tragen.« (4. Mose 11,10-17 i.A.)

Was für ein menschlicher Held: der große Anführer des Volkes Israel, der große Mose kann nicht mehr. Er ist am Ende, fühlt sich ausgebrannt und leidet unter dem, was heute „Burnout“ genannt wird. Und Gott? Er maßregelt Mose nicht, treibt ihn nicht an, führt ihn nicht über seine Grenzen. Sondern er stellt ihm Menschen zur Seite, die seine Last mittragen-damit es gut weiter gehen kann. Weiterlesen

S.O.S.

Selbst Menschen, die mit dem Morsealphabet nicht vertraut sind, kennen dieses Signal. S.O.S – „save our souls“ zu Deutsch: „Rettet unsere Seelen“ Wie oft ging dieses Signal wohl schon über den Äther? Wie viele Menschen rettete es? SOS: jene drei Buchstaben wurden zum Synonym

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für Tragik und Hoffnung auf See. So wie wir es in jüngster Zeit bei den Flüchtlingsdramen im Mittelmeer erleben. Schiffe in der Nähe sind dann verpflichtet, Hilfe zu leisten. Doch brauchen die gestrandeten Menschen mehr als nur sicheren Boden unter den Füßen und lebensnotwendige Verpflegung. Flüchtlinge überwinden – oft unter Lebensgefahr – geographische und kulturelle Grenzen und sind dabei selbst psychisch am Ende. Die Seele ist verletzt und schreit nach Hilfe. Es dauert lange, ehe Entwurzelte  langsam wieder sicheren Boden unter die Füße bekommen. Ich denke, erst wenn dieser Hilferuf „Save our souls“- „Rettet unsere Seelen“ ganz wörtlich auch in unseren Herzen ankommt, werden wir der Flüchtlingsfrage menschenwürdig und tatkräftig begegnen können. In Grombühl sind in den vergangenen Monaten viele minderjährige, unbegleitete Flüchtlingen an- und untergekommen. Sie haben nun erst mal ein Dach über dem Kopf und lernen Deutsch; ein erster Schritt, um sich zurecht zu finden  in einer völlig fremden Umgebung. Weiterlesen

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Nehmt nichts mit auf den Weg… keinen Wanderstab und keine Vorratstasche!“

Eine seltsame Anweisung. Um es gleich vorweg zu sagen:
sie stammt nicht etwa von einem Reiseunternehmer.
Hier würden1 wir ganz andere Ratschläge bekommen: Kleider für Sonnen- und Regentage auf jeden Fall, Personalausweis oder Reisepass selbstverständlich, Impfnachweise womöglich und nicht zu vergessen die Reiserücktrittsversicherung. Man kann ja nie wissen!

„Nehmt nichts mit auf den Weg!“

Wenn ich es mir recht überlege: Ganz falsch ist der Tipp für eine Reise dann doch wieder nicht. Schleppen Sie nicht auch Jahr für Jahr viel zu viel in den Urlaub mit?
Dinge, die niemand wirklich braucht, die aber trotzdem scheinbar mit müssen- nur für den Fall der Fälle, versteht sich?

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