HERBSTZEIT- ERNTEZEIT!

Allmählich färben sich, die Blätter an den Bäumen gelb.. Die Kastanien sind reif und fallen herab, dunkelbraun und glänzend. Die Tage sind schon deutlich kürzer, die Abende werden frisch. Es wird Herbst.

Das deutsche Wort „Herbst“ hängt mit dem englischen „harvest“ (Ernte) zusammen: Herbstzeit – Erntezeit. Das Obst wird gepflückt, die Felder werden abgeerntet, die Trauben in den Weinbergen gelesen. Und irgendwie legt sich

gar nicht selten in dieser Zeit auch über Menschen, die keine Gärten und Felder haben, so etwas wie eine Erntestimmung. Der Blick geht zurück, prüft den Ertrag, den die Anstrengungen des Jahres gebracht haben; in Firmen werden erste Bilanzen gezogen.

Herbstzeiten, Zeiten der Ernte: Es gibt sie auch im Lebenslauf – dann nicht als Ertrag nur eines Jahres, sondern des ganzen bisherigen Lebens, das dann auf die Waage kommt.

Als Pfarrerin begegne ich immer wieder Menschen in solchen Herbstzeiten.

Jede Krise – gesundheitlich, psychisch, finanziell, durch den Verlust der Arbeit bedingt – kann eine „Herbstzeit“ herbeiführen.

Viele ziehen in Krisenzeiten oder an Geburtstagen Bilanz –im Blick auf die Ernte des gelebten Lebens. Ich meine, dass auch dies eine Aufgabe für uns in der Kirchengemeinde sein kann: Erntehelfer und Erntehelferin zu sein – Menschen dabei zu unterstützen, das bisherige Leben ehrlich anzuschauen und anzunehmen, wie es war, mit seinen Früchten – und mit dem, was leider nicht zum Blühen und Reifen gekommen ist, aus welchem Grund auch immer.

Es gibt eine tief im Menschen verwurzelte Angst, dass ich vielleicht zu wenig Ertrag in meinem Leben vorweisen kann. Dieser Angst stellt das Christentum die Botschaft entgegen, dass Gott selbst mir zur Seite steht, und Dinge, die Stückwerk geblieben sind, vollendet.

Klar ist dabei, dass er nichts an Gutem übersehen wird dabei und dass er die Macht hat, auch das schon lange brachliegende oder verwilderte Feld noch zum Sprießen zu bringen. Der Prophet Jesaja fasst diese Hoffnung in die Worte: „Nur noch ganz kurze Zeit, dann verwandelt sich sogar abgeholztes Land in einen Obstgarten und der Obstgarten wird zu einem wahren Wald (Jes 27).Dass Sie – ob als „Erntehelferin und Erntehelfer“ in Ihrem Umfeld, oder im Blick auf Ihr eigenes Leben –- immer wieder etwas von dieser farbenfrohen Perspektive spüren, das wünsche ich Ihnen; Und: viel Freude an den bunten Farben der Herbstblätter ebenso!                                       Herzlich Ihre Pfarrerin Karin Jordak