„Die Schokolade aus dem Adventskalender ist die beste.“

Das sagt ein Schüler der 13. Klasse. Ich muss lachen. Adventskalender für einen Neunzehnjährigen! Ich frage nach: Ja, fast alle haben einen oder gleich mehrere. Nicht nur 1kleine Kinder bestehen auf ihren Adventskalender. Der gehört einfach dazu. Sonst ist nicht Advent.

Dieses Ritual hat was. Türen öffnen, eine nach der anderen; und sich freuen auf das, was kommt. Das passt zum Advent. Warten. Advent heißt ja eigentlich „Ankunft“. Dabei war die Adventszeit früher eine Fastenzeit. Zwar ging es schon im Mittelalter darum, sich auf die Feier der Geburt Christi vorzubereiten. Man zählte die Tage bis zum großen Fest. Aber vorgestellt hat man sich diese Ankunft gewaltig und angsteinflößend, wie einen apokalyptischen Weltuntergang. Deshalb haben sich die Buß- und Fastenrituale in der Adventszeit ausgeprägt. Das hat sich aber nicht durchgehalten. Gott sei Dank! Seit 1917 wird niemandem mehr ein Adventsfasten abverlangt.  Und um 1920 herum gab es die ersten süßen Adventskalender mit Schokolade drin. Ich weiß zwar nicht, ob es da einen Zusammenhang gibt. Aber ich bin froh, dass wir die Ankunft Gottes nicht fürchten müssen, sondern voller Hoffnung erwarten können.

Aber wie sollen wir uns das nun vorstellen, dass Gott wiederkommt? Ich weiß es auch nicht so genau:  Jedenfalls allen Geschichten aus der Bibel, die davon erzählen, ist eines gemeinsam: Sie reden davon, dass das Leiden dann aufhört; dass kein Kind mehr hungrig ins Bett gehen und niemand  mehr unter Brücken schlafen muss;  dass kein Mensch mehr vor Schmerzen weint,  und dass niemand des Lebens so müde wird, dass er lieber sterben als leben will.

Ja, das sind Utopien. Manche belächeln das. Aber Christen leben von dieser Hoffnung. Ich auch.  Advent heißt: Die Sehnsucht wachhalten. Die Sehnsucht nach Glück und Frieden; und darauf setzen, dass Gott einst  diese Welt vollkommen macht. Für das Warten bis dahin brauchen wir Hilfe. Damit wir durchhalten- dazu gibt es die Adventszeit: Mit ihr verhält es sich, wie mit jenem kleinen Mädchen, das gern bei den Großeltern ist. Manchmal macht sie dort sogar Ferien. Vor allem wenn beide Eltern gleichzeitig auf Dienstreisen sind. Sie fragt:  „Wann kommt ihr wieder?“ Sie hat noch keine richtige Vorstellung davon, wie lange sieben Tage sind. „Wir kommen bald wieder“, sagen die Eltern. Aber was heißt für ein kleines Mädchen „bald“? Die Zeit wird ihr zwischendurch lang. Manchmal hat sie Heimweh. Andererseits verwöhnen die Großeltern sie. Und sie genießt die Zeit dort. Die Eltern schicken ihr Durchhaltebriefe. Damit ihr das Warten leicht fällt. Und damit sie die Verbindung zwischen ihnen spürt. Jeden Tag bekommt sie Post. Und so hofft sie zwar darauf, dass ihre Eltern bald wiederkommen. Bis dahin richtet sie es sich aber gemütlich bei den Großeltern ein. Durchhaltebriefe. – Ich glaube, Gott schreibt uns auch Durchhaltebriefe. Damit wir die Verbindung mit ihm spüren. Viele Adventsbräuche sind solche Durchhaltebriefe. Für mich ist schöne  Adventsmusik ein besonderer Durchhaltebrief Gottes- ,Spritzgebäck auch; aber auch ein liebevoller Mensch, der mir sagt: Das wird schon! Alles wird gut!

Für die gute Zeit, die kommt, ist die Adventszeit eine Art Vorgeschmack.

Ich will sie auskosten!!

Viele gute Erfahrungen beim Tür(ch)en- öffnen,  genußreiche „Durchhaltebriefe“  und eine schöne Weihnachtszeit  wünscht ihnen ihre Pfarrerin Karin Jordak