Abschied von der Klinik-Kapelle im Luitpold-Krankenhaus

1921 bekam Grombühl im neu errichteten Luitpold-Krankenhaus vor dem Haupttor einen Evangelischen Betsaal als Kapelle für die evangelischen Patienten. Dieser schlichte Gottesdienstraum spielte in der Würzburger Kirchengeschichte dann später eine unerwartet wichtige Rolle. Er hatte die Bombardierung Würzburgs am 16.03.45 unbeschadet überstanden und war nun bis zum Wiederaufbau von St. Johannis die einzige evangelische Kirche für die Gemeinde, insbesondere für den Stadtteil Grombühl. Als der 2. Sprengel, die Thomas-Gemeinde, 1970 selbständig wurde, hielten manche Gemeindeglieder >ihrem< Betsaal noch lange die Treue. Zudem war bis 1966 die Altkatholische Gemeinde dort mit ihren Gottesdiensten zu Gast.

Die Geschichte des E2vangelischen Betsaals als Gottesdienstraum an der Uniklinik geht nun zu Ende. Bereits seit September 2010 werden die sonntäglichen Abendmahls-Gottesdienst jeweils um 9.00 Uhr im Raum der Stille im neu gebauten Zentrum Operative Medizin (ZOM) gefeiert und zu den Patienten übertragen. Die alte Klinikkapelle wurde in der Folge nur noch selten genutzt: z.B. im Advent und in der Passionszeit für die Gebetsandachten (Laudes) des ökumenischen Seelsorge-Teams, für Gottesdienste der Kursabsolventen im Rahmen der Klinischen Seelsorge-ausbildung und manchmal auch als Ort für die stille Einkehr von Patienten oder Angehörigen, insbesondere der Kinder-klinik. Angesichts einer wachsenden Raumnot in der Uniklinik soll die Klinikkapelle nun zu einem Konferenzraum für die Klinik-Verwaltung umgebaut werden. Eine Gedenktafel wird dann an die Bedeutung und Geschichte dieses ehemaligen Gotteshauses erinnern.

Mit etwas Wehmut, aber auch dankbar für all das dort Erlebte, haben wir am 7. Juli 2016 einen letzten öffentlichen Gottesdienst mit  Zeitzeugen gefeiert.
Pfr. Jürgen Floß