Liebe Gemeindeglieder! Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit 1. Dezember 2014 bin ich nun auf der 1. Krankenhauspfarrstelle im Würzburger Uniklinikum tätig und gehöre zur Thomas-Gemeinde. Manche von Ihnen haben mich bereits im Gottesdienst erlebt. Nun nutze ich die Gelegenheit, mich Ihnen ein wenig vorstellen.

3Ich bin (noch) 55 Jahre alt und verheiratet mit Katrin Wegener-Wick. Meine Frau ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat vor allem Erfahrung mit suchtkranken Menschen. Unsere vier Töchter im Alter von 23 bis 28 sind bereits flügge, in Ausbildung, studieren oder bereits berufstätig – zwei davon in Würzburg. Ein zweiter Enkel ist noch „unterwegs“. Unsere Dienstwohnung in Lengfeld war in den letzten Wochen öfter mal Sammelpunkt für die Großfamilie.

Zwar bin ich gebürtiger Stuttgarter, aber durch einige Umzüge zum Wahlfranken geworden. An Franken (Ober-, Mittel- und Unter-) liebe ich u.a. die Landschaft mit kleinen Dörfern und Kirchen, Main und Tauber, den Wein, die „guden Broadwörscht“… Auch Würzburg gehörte bereits zu einer meiner Stationen. Nach dem Abitur 1978 am Röntgen-Gymnasium habe ich während des Studiums in Hamburg meine Frau, eine Niedersächsin, kennengelernt. Zu den wichtigen beruflichen Stationen gehörten u.a. 12 Jahre Gemeindepfarramt in Rothenburg odT und zuletzt fast 11 als Krankenhauspfarrer am Augsburger Klinikum und der Klinik für Kinder und Jugendliche. Zu den Schwerpunkten meiner Arbeit dort in der Klinik gehörten die Seelsorge auf Intensivstationen und im Schlaganfallzentrum, Mitarbeit im Palliativteam, Ethikberatung und berufsethischer Unterricht in der Krankenpflegeschule.

Dem Leitgedanken der Augsburger Klinikseelsorge – „Der Seele Raum geben“ – fühle ich mich auch in meinem neuen Tätigkeitsfeld verbunden. Es ist für mich eine Zusammenfassung meiner Arbeit als Klinikseelsorger und ein Gegenentwurf zum rein technisch-naturwissenschaftlichen Anschauen und Behandeln eines kranken Menschen. Ich verstehe „Seele“ vom Alten Testament her: Jeder Mensch ist eine „näfesch chaja“, d.h. eine „lebendige Seele“. Ich habe nicht eine Seele, sondern bin eine „lebendige Seele“. Seele ist der Ausdruck von allem, was einen Menschen lebendig und unverwechselbar sein lässt. „Der Seele Raum geben“ – mit anderen Worten: Als Seelsorger will ich das Geheimnis im Menschen achten. In der Seelsorge komme ich in Berührung mit diesem Geheimnis und verneige mich vor jedem Menschen mit seinen Geschichten, seiner Bedürftigkeit und seinem Leid, aber auch seiner inneren Größe, ja seiner Würde.

Der Seele Raum geben – das Geheimnis im Menschen achten – dafür möchte ich in meiner Arbeit als Klinikpfarrer an der Würzburger Uniklinik und in der Thomaskirche einstehen.

Seien Sie behütet in diesem Jahr 2015!

Ich grüße Sie herzlich,

Ihr Jürgen Floß