Liebe Leserinnen und Leser!

„Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest, Cornelia mich sitzen lässt?

…Nun freu´ ich mich auf Pfingsten – nicht im Geringsten“ so kalauerte der unvergessliche Heinz Erhardt. Und Bertold Brecht dichtete: Pfingsten sind die Geschenke am geringsten, während Ostern, Geburtstag und Weihnachten, was einbrachten.“ Tatsächlich gibt es heutzutage an diesem Festtag keine Geschenke mehr. Wer an Pfingsten denkt, freut sich zuallererst einmal auf das verlängerte Wochenende. Denn der Pfingstmontag ist immer ein Feiertag. Pfingsten hat es schwer neben Ostern und Weihnachten. Kein Kind greift Pfingsten begeistert zur Blockflöte, um Pfingstlieder zu spielen. Es mangelt an Lichterbaum und Schokohasen. Selbst der sonst so pfiffigen Geschäftswelt fällt kein großer „Pfingstrenner“ ein, um die Kassen zum Klingen zu bringen. Was da eigentlich gefeiert wird, wissen die wenigsten.

Was das merkwürdige Wort „Pfingsten“ bedeutet, ebenfalls. Dabei ist Pfingsten eines der ältesten und wichtigsten christlichen Feste überhaupt. Es wird schon seit dem dritten Jahrhundert gefeiert. Und zwar immer am fünfzigsten Tag nach Ostern. Fünfzig heißt im Griechischen übrigens „pentecoste“. Das klingt irgendwie so ähnlich wie Pfingsten, oder? Und so kann man sich auch vorstellen, dass daraus später der Name „Pfingsten“ wurde. Pfingsten bedeutet einfach „Fünfzigster Tag“, und zwar nach Ostern. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes und darum nur schwer erfassbar. Selbst die Schreiber der biblischen Pfingstgeschichte hatten es schwer, das Pfingstwunder zu erzählen. Deshalb benutzten sie viele Bilder, um das Unbegreifbare doch noch in Worte zu fassen. Da ist von „Feuerzungen“ die Rede und vom „Brausen eines gewaltigen Windes“. (Lukas beschreibt es in seiner Apostelgeschichte so: Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. (Apostelgeschichte 2,1-4) ) In der Pfingstgeschichte geht es um Kräfte, die den Menschen und der Kirche immer wieder auf die Sprünge verhalfen- durch alle Jahrhunderte hindurch. Denn es gab und gibt ihn, den Geist, der vieles durcheinander purzeln ließ, der Eingefahrenes in Frage stellt und Menschen in Bewegung bringt. Niemand wäre zum Glauben gekommen, hätte es diesen ganz besonderen Geist gegeben. Pfingsten so hat es einmal einer trefflich beschrieben, ist die Aufregung, die Begeisterung Gottes für die Welt. Das Tolle daran: diese Aufregung und Begeisterung bricht sich Bahn; damals wie heute. Sie bleibt nicht im abgezirkelten göttlichen Bereich, sondern geht über auf die Menschen, breitet sich aus. Und: Da, wo der Geist Gottes weht, da ist etwas los. Da werden Menschen ergriffen, begeistern sich für die Sache Jesu, strahlen aus, werden Feuer und Flamme für Gottes gute Botschaft. Dass auch Sie das erleben und ich, wünscht

Karin Jordak Pfarrerin der Thomaskirche