Von den Schätzen des Lebens

Zu ihrem Geburtstag bekam meine Freundin eine Schatzkiste geschenkt. Beim Öffnen merkte sie: Die Kiste ist leer. „Die ist für Erinnerungen an Schönes gedacht, das Dich glücklich macht oder Dir gut tut; für alle Dinge, die Dein Leben bereichern”, so der Kommentar der Schenkenden. 2013-10.1Meine Freundin nahm den Auftrag an und legte eine Muschel aus dem Urlaub hinein, ihr Lieblingsbuch, einen Brief, der ihr viel bedeutet. Inzwischen ist die Schatzkiste gut gefüllt. Die Schatztruhenbesitzerin hat mir anvertraut: „Gerade nach einem schweren Tag schaue ich abends gern hinein. Die Erinnerung an die Schätze in meinem Leben gibt mir neue Kraft und macht mich froh.”

Ich halte die Sache mit der Schatzkiste für eine tolle Idee. Denn oft ist es ja leider so: Unangenehmes hängt mir noch lange nach, schöne Erlebnisse dagegen verfliegen viel zu schnell. Und all das Wunderbare, das ich erlebt habe, gerät leider in schweren Zeiten allzu rasch aus dem Blick. Wer sich immer wieder klar macht: Es gibt nicht nur dürre Zeiten, sondern: Ich habe auch viel Gutes erlebt!, der trägt einen Schatz in sich, den er heben und von dem er zehren kann. So eine Schatzkiste kann mich daran erinnern.

Wenn wir unsere Kirchen zum Erntedankfest festlich schmücken, dann ist das so ähnlich, als füllten wir eine Schatzkiste. Wir erinnern uns an das, was wir in diesem Jahr ernten konnten: Kartoffeln und Getreide, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Nüsse, Dahlien, Sonnenblumen und Astern. Viel Arbeit steckt darin. Und doch können wir nicht allein für eine gute Ernte sorgen. Gott hat seinen Segen dazu gegeben, damit so vieles wachsen konnte. Er hat uns reich beschenkt, nicht nur mit Obst und Gemüse, sondern mit all den großen und kleinen Schätzen, die das Leben bunt, schmackhaft und reich machen…

Ein frohes Erntedankfest wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Karin Jordak