Geh aus mein Herz und suche Freud!

2013-06-01„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“, sagt Paulus seiner Gemeinde (Phil 4, 4). Ja geht das denn einfach so? Kann man Freude einfach beschließen und leben? Vielleicht nicht immer, aber immerhin: die Freude lässt sich suchen, wie es das Kirchenlied vorschlägt. Meine Patenkinder Clara und Leon haben zum Freudesuchen ganzjährig die Kraft fröhlich herum hüpfender Kinder, sie stecken ihre Nasen neugierig überall hinein, tasten und tüfteln, riechen an Blumen, setzen eigene Worte zusammen und freuen sich. Ihre Suche ist unsystematisch, aber erfolgreich, ihre Herzensfreude ist spürbar und ansteckend, ich freue mich mit. Eine liebe Nachbarin dagegen, eine ältere Dame, sucht die Freude anders, sie klopft zuweilen bei mir an und öffnet auch selbst stets gern ihre Tür. In unseren Gesprächen hört sie genau zu und achtet auf jedes Detail, sie möchte möglichst nichts vergessen. Die Suche nach der Freude ist etwas Wunderbares, vielleicht ist sie das, was die Welt zu ihrem Besten am meisten bewegt. Die Herzensfreude ist etwas anderes als Spaß, als gute Unterhaltung oder die zügige Erlangung dessen, was ich gerade gerne hätte. Freilich: Die Freude war im Herzen der Philipper kein Dauergast, und auch wir kränkeln oft arg an diesem Umstand. Aber ist es nicht spannend, dass Paulus ihre Suche offenbar „zu jeder Zeit“ für möglich hält? Die Freude lässt sich also immer suchen. Gott sei Dank ist die Herzensfreude keine verlegte Brille, und die Suche nach ihr ist nicht rastlos, sondern schon in sich auf geheimnisvolle Weise erleichternd. Die Suche nach der Freude ähnelt einem Saitenspieler, der sein Instrument in die Hand nimmt. Noch tastend weiß er schon: Gleich kommt der erste Ton, dann noch einer, und entlang einer Melodie findet er in sein Lied, er formt die Worte, wie sie ihm zufallen, aus der Erinnerung, aus dem, was er jetzt wahrnimmt, aus dem, was er sich für morgen erhofft. Die Psalmen sind voll vom Jubel über dieses Suchen und Finden. Gott weiß, dass wir die Freude zum Leben brauchen, darum streut er sie reichlich aus, wie ein Sämann überall hin, auch auf unseren Weg. Darauf dürfen wir vertrauen. Die Freude lässt sich also nicht nur suchen, sie lässt sich auch finden!      Ihre Prädikantin Claudia Kaufhold